Mittwoch, 1. Juli 2015

Du musst auch mal raus aus der Wohnung, in der du wohnst. (Angela) | Campus Liebe

Haay :)
Ich stelle jetzt einfach mal nach und nach die Kapitel hoch :) Viel Spaß beim Lesen :)


Wiedersehen, oder auch: Ich würde dir niemals etwas vormachen

Isas Sicht:

Zwei Monate später…

„Ich kann es nicht glauben, dass du mich dazu überredet hast.“, grummele ich mehr zu mir selbst und tauche in der Menge ab und Angela folgt mir auf dem Fuße.

„Du musst auch mal raus aus der Wohnung, in der du wohnst.“, sagt Angela kopfschüttelnd.

„Mir gefällt es nicht, deswegen meine Eltern zu behelligen.“, grunze ich und ich frage mich erneut, wieso ich mich dazu überreden lassen konnte. Ich habe meine Eltern gefragt, ob sie einen Abend auf Levi aufpassen könnten, damit ich mit Angela – meine Freundin von der Uni und die einzige, die von Levi weiß – feiern gehen kann. Meine Eltern waren misstrauisch, ob das eine so gute Idee ist, haben sich aber dennoch bereit erklärt. Vielleicht würde ich hier einen netten jungen Mann kennenlernen – so meine Mum.

„Deine Eltern sind ein komischer Haufen, dass weißt du doch. Levi braucht eine Mutter, die glücklich ist.“, sagt Angela ernst, dreht mich um und beginnt sich aufreizend zu der Musik zu bewegen. Der Club ist dunkel und mit einer Nebelmaschine wirkt das Licht, was durch einzelne Strahler in den Raum strahlt, noch diffuser. Unzählige Menschen drängen sich auf die Tanzfläche und bewegen sich anzüglich an ihren Partnern. Dem Gruppenzwang folgend, bewege ich mich langsam und unsicher und versuche Angelas Bewegungen nachzuahmen, was mir anscheinend missglückt, als Angela mich nur mürrisch beobachtet.

„Ich kann nicht tanzen, Ang. Das weißt du.“, feixe ich und Angela schüttelt nur den Kopf. Da sie mich aber nicht von der Leine lassen will, stellt sie sich nun hinter mich und bewegt sich verführerisch hinter mir weiter. Bis ich plötzlich ihre Knie in meinen Kniekehlen spüre und mich augenscheinlich zu denselben Bewegungen aufmache. Wir gehen zusammen in die Knie, strecken den Po nach hinten und die Brüste nach vorne. Dabei liegen Angelas Arme nun auf meiner Hüfte. Sie führt mich dabei hin und her und ein wenig ungelenkig folge ich ihren Bewegungen, bevor wir mit einer anzüglichen Geste wieder nach oben kommen. Dazu muss wohl gesagt werden, dass wir wirklich heiß aussehen. Zumindest findet Angela das so. Ich dagegen finde mich überhaupt nicht heiß. Sie trägt einen schwarzen Minirock und ein enges Top und dazu mörderische High Heels. Ihr dunkles Haar ist zu einem lockeren Zopf aufgesteckt und einzelne Strähnen fallen ihr immer wieder ins Gesicht, wenn sie sich bewegt. Ich dagegen trage ein enges, grünes Kleid, welches sich um die Beine bauscht. Das Kleid reicht mir nur bis zur Mitte der Oberschenkel, was bei jeder Bewegung weiter nach oben rutscht. Nackte Haut, die niemand zu Gesicht bekommen sollte, wenn es nach mir geht. Deswegen versuche ich, den Stoff auch immer wieder darüber zu ziehen, aber Angela zieht meine Hände immer wieder an meine Hüften und im nächsten Moment spüre ich erneut ihre Knie.

Als wir dieses Mal hochkommen, steht ein muskelbepackter, gutaussehender Mann vor uns. Er hat die Arme vor der Brust verschränkt und mustert mich lüstern. Die goldbraunen Haare, sowie die grünen Augen kommen mir irgendwie bekannt vor, aber mir will einfach nicht einfallen, wo ich ihn schon einmal gesehen habe.

„Absolut verführerisch. Kann ich euch vielleicht auf einen Trink einladen?“, fragt er mich mit rauer Stimme, als hätte ihm die Show gefallen.

Angela und ich schauen uns einen Augenblick an und dann macht es bei mir Klick. Das ist ER. Der Macho. Sofort schaue ich entsetzt zu Angela und dann wieder zu ihm. Angela scheint es gar nicht zu beachten. Edward Cullen. Sein Haar zu einem Schopf aus wirrem Durcheinander gestylt, die grünen Augen und der lächelnde Mund sollen verführerisch und liebevoll wirken, aber sie wirken bei mir nicht so ganz ehrlich. Es scheint mir, als würde er jemanden vorgeben zu sein, der er gar nicht ist. Ein Teil von mir ist wie bei der ersten Begegnung vollkommen angetan und erregt und der andere Teil widert mich einfach nur an. Ich weiß nicht, wie ich reagieren soll und trete von einem auf den anderen Fuß. Angela nimmt mir mal wieder die Entscheidung ab.

„Gerne.“, sagt Angela, hackt sich wieder bei mir unter und folgt dann Edward, der sich schon auf dem Weg zur Bar gemacht hat.

Edwards Sicht:

Wir haben gerade den Club betreten, als meine Aufmerksamkeit auf die zwei Frauen auf der Tanzfläche gelenkt wurde. Emmett hat sich direkt auf dem Weg zur Bar gemacht und mich allein zurück gelassen. Mein Blick haftet immer noch auf die junge Frau im grünen, kurzen Kleid. Der Stoff bauscht sich ihre Oberschenkel herauf, was sie immer wieder versucht herunterzuschieben. Ihre langen Beine und die zierlichen Arme beschwören meinen Beschützerinstinkt hervor, was mir gar nicht gefällt. Ihr braunes Haar fließt in Wellen über ihren Rücken herab und ihre Vorderpartie ist mit einer kleinen Spange nach hinten geschoben. Die Augen gleichen der leckersten Schokolade und sind mit hellem Kajal umrundet. Der Mund nimmt einen sanften rosa Ton an und lädt dazu ein, geküsst zu werden. Am liebsten würde ich sie in meine Arme ziehen und um den Verstand küssen, aber einen Teil von mir, kommt sie bekannt vor. Irgendwo habe ich sie schon mal gesehen, nur will mir weiß Gott nicht einfallen, wo das gewesen ist. Bevor ich auch nur darüber nachdenken kann, bin ich über die Tanzfläche zu ihr herübergelaufen und warte mit überkreuzten Armen darauf, dass sie sich wieder erheben. Als sie dies genau in der Sekunde macht, verschlägt es mir die Sprache. Von Nahem sieht sie noch viel besser aus. Ihr Make-Up verdeckt nur die feinen Unreinheiten, lässt aber die leichten Sommersprossen durchblicken. Ihre Augen sind noch intensiver, aber sie reißen einen direkt in das schwarze Loch, wo jeder Mann gerne sein will. Aber jetzt will mir auch wieder einfallen, wer diese junge Frau ist. Sie ist genau das Mädchen, was mir seit zwei Monaten in meinem Kopf herumspuckt. Aber dort hat sie immer das unschuldige Schulmädchen gespielt und nicht diese Assoziation von heiß. Aber ein Teil von mir ist sich immer noch sicher, dass sie nicht gut genug für mich ist, aber da hat sie mich schon erblickt und ich kann nun keinen Rückzieher machen. Vielleicht hat sie mich gar nicht erkannt, schießt es mir durch den Kopf. Dann weiß sie gar nicht mehr, was ich für ein Arsch bin. Vielleicht habe ich dann bei ihrer Freundin eine Chance, sie scheint nicht so ein kleines Mauerblümchen zu sein.

„Absolut verführerisch. Kann ich euch vielleicht auf einen Trink einladen?“, frage ich sie mit rauer Stimme und beiße mir augenblicklich fest auf die Zunge, weil es sich viel zu erregt anhört. Wieso kriege ich sie nicht einfach aus meinem Kopf? Sie ist die Person, die einen um den Verstand bringt und das gefällt mir gar nicht. Ich wollte niemals mehr, jemanden an mich heranlassen. Und mit dieser Einladung mache ich meine eigenen Vorsätze zunichte. Das junge Mädchen – Isa – tritt von einem Fuß auf den anderen und scheint sich nicht ganz wohl zu fühlen. Aber dann blitzt auch die Erkenntnis hervor, wer ich bin und da fühle ich mich auch einen Moment unbehaglich. Aber da nimmt das ganze ein Eigenleben an und die Freundin sagt zu und nimmt Isa mit sich mit, als ich mich auch schon auf den Weg zur Bar mache.

Emmett sitzt auf einem Hocker an der Bar und hat ein Bier zwischen den Händen. Eine Frau redet auf ihn ein, aber ignoriert es gekonnt. Seine Freundin wartet nun mal zuhause, also würde es mich wundern, wenn Emmett sich jetzt mit einer Frau beschäftigen würde. Ich drehe mich nun zu den Frauen um, die sich angeregt anfauchen. Lustig mit anzusehen ist es auf jeden Fall, aber ich habe keine Lust, wenn sie sich eine Schlammschlacht ohne Schlamm liefern. Ich hatte nur gehofft, heute auf ein williges Mädchen zu treffen, aber da ich nun wieder dieses Mädchen am Haken habe, werde ich wohl keinen Fang machen um mich genau vor dieser abzulenken. Dann ist wohl die Frage, versuche ich mich an sie heranzumachen, oder verschwinde ich, sobald es mir möglich ist?

„Ich möchte euch kurz meinen Bruder Emmett vorstellen, Emmett, dass sind…“, beginne ich und schaue zu beiden Frauen zurück. Ich kann mir nicht sicher sein, dass Isa noch weiß, wer ich bin, weswegen ich ihr die Vorstellung überlasse.

„Angela.“, sagt die Freundin auch sofort und grinst übers ganze Gesicht. Isa dagegen wirkt wütend, als würde sie erwarten, dass ich mich an sie erinnere. Aber sie hat auch nicht durchschimmern lassen, dass sie mich erkennt.

„Isabella, aber mir ist Isa lieber.“, nuschelt sie dann aber doch und tritt erneut von einem Fuß auf den anderen. Sie wäre wirklich lieber woanders, was ich ihr gar nicht verübeln kann. Wenn sie schlau sind, verschwinden sie so schnell wie möglich von mir.

„Hallo Angela und Isa. Was wollt ihr trinken?“, fragt Emmett nichtsahnend und Angela geht sofort näher zu ihm hin, während sie Isa zurücklässt.

„Einmal Malibu Cola und dann ein Salitos Ice.“, sagt Angela freudig und wirft Isa einen frechen Blick zu. Diese verzieht nur das Gesicht, als würde ihr das gar nicht gefallen. Vermutlich tut es das auch nicht, wenn sie sich an etwas erinnert und möchte schnellst möglichst weg von mir. Kann ich auch verstehen.

„Magst du kein Alkohol?“, frage ich Isa interessiert und mustere ihre Mimik genau, als sie sich mir wieder zuwendet.

„Ich vertrage keins und in meiner Situation, wäre das vielleicht…“, stoppt sich dann aber selber und schüttelt über sich selbst den Kopf.

„In welcher Situation bist du denn?“, frage ich vorsichtig nach, aber sie schüttelt nur den Kopf und Angela reißt uns auch wieder aus den Gedanken.

„Hier was leichtes für dich zum Anfang.“, sagt diese leuchtfröhlich und reicht ihr die Flasche Salitos Ice. Das soll wirklich leicht sein zum Anfang?

„Und was macht ihr so?“, fragt Angela weiter, als merke sie die Stimmung gar nicht.

„Wir sind hier an der Uni.“, sagt Emmett.

„Oh Wow. Ich habe euch dort noch nie gesehen, du Isa?“, fragt Angela nun ihre Freundin und diese schreckt auf und schüttelt ihren hübschen Kopf. Je länger ich sie beobachte und mit ihr rede, so erregter werde ich wieder. Ich find sie anziehend, obwohl sie genau dem Gegenteil meiner eigentlichen Fantasie entspricht.

„Wir euch dort aber auch noch nicht, also keine Bange.“, winkt Emmett lächelnd ab.

„Das ist gut. Ich will tanzen.“, sagt diese nur Augenblicke später und stellt ihr schon leeres Glas auf die Theke. Isa schüttelt den Kopf und zeigt dann auf ihre Flasche und sie wendet sich nun an mich. Einen Augenblick möchte ich einfach verneinen, weil ich lieber bei Isa wäre, aber dann sage ich mir, dass ich mich von dieser Frau lossagen muss und das geht am besten mit ein wenig Ablenkung. Also folge ich ihr nun zur Tanzfläche.

Isas Sicht:

„Na komm. Setz dich neben mich. Da kannst du deine Flasche auch weiterhin fest umklammern.“, sagt der Bruder von Edward – Emmett und lächelt mir aufmunternd zu. Er wirkt nicht so Machohaft, wie sein Bruder und ich finde ihn auch sympathisch.

„Danke.“, sage ich schüchtern und schaue zur Tanzfläche herüber. Edward tanzt leger, während Angela aufreizend wie immer ist. Es sieht so aus, als würden sie nicht zusammen tanzen, eher nebeneinander her, was so richtig grotesk wirkt. Aber dann wirft Angela den Kopf in den Nacken, lacht freudig auf und beginnt langsam in die Knie zu gehen. Ihr Po schwenkt dabei verführerisch hin und her und dann kommt sie elegant wieder nach oben. Edwards Finger wandern spielerisch zu ihren Hüften und er bewegt sich kurzerhand mit ihr. Angela gefällt es, denn ihre Augen glitzern aufgeregt. Die Flasche in meiner Hand fällt heftiger auf die Theke als beabsichtigt und sofort schäme ich mich wieder. Ich sollte mich nicht so sehr zu diesem Typen hingezogen fühlen und besonders dürfte ich nicht eifersüchtig sein. Er gehört mir nicht und wird es auch niemals. Ich muss mich damit abfinden und vielleicht jemanden finden, der mich von ihm ablenkt. Sein Bruder ist dabei keine gute Idee.

„Ein wenig empfindlich?“, fragt Emmett grinsend und hat den Blick dabei auf die Flasche gerichtet, die ich nun an meinen Mund setze und einen tiefen Schluck nehme. Lecker, süßlich, aber für mich viel zu stark. Das wird wohl auch mein letzter Trink sein. Was würden meine Eltern denken, wenn ich mit einem Kater morgen früh meinen Sohn abholen würde.

„Nein, eigentlich nicht.“, sage ich missmutig.

„Ich kann dir eins sagen. Wenn du auf eine Beziehung aus bist, solltest du dich von Edward fernhalten. Er ist schon sehr lange keine Beziehung mehr eingegangen.“, informiert mit Emmett und ich schaue ihn geschockt an.

„Ich will doch gar nichts von ihm.“, wehre ich mich sofort gegen seine Worte. Aber seine Worte bedeuten mir trotzdem etwas, obwohl ich mich so dagegen sträube. Wieso hat Edward keine langfristigen Beziehungen mehr?

„Ich wollte es dir auch nur sagen.“, sagt Emmett schulterzuckend. Ich nehme noch einen Schluck von meinem Trink und seufze auf. Warum muss das Leben auch so kompliziert sein und mit einem Kind ist das noch viel schwieriger. Ich kann gar keine Affäre anfangen, weil ich an Levi denken muss. Ich kann niemanden mit in die Wohnung nehmen, denn Affären bräuchten nichts von meinem Sohn wissen. Aber mein Sohn braucht einen normalen Tagesablauf und eine Gleichmäßigkeit. Wenn ich jemanden mit nach Hause bringe, darf er nicht einfach wieder verschwinden. Ich brauche etwas ernstes, um Levi und mir Sicherheit zu geben.

„Danke für die Information.“, sage ich tonlos und ein Teil von mir ist auch am Boden zerstört. Habe ich mir wirklich ausgemalt, dass er etwas für mich wäre? Der mir von Anfang an suspekt vorkam, soll der Eine sein? Bevor ich mir aber noch weiter Gedanken darüber machen kann, kommen Angela und Edward zu uns zurück. Angela legt einen Arm um meine Schulter und grinst mich frech an, während Edward kühl und berechnend wirkt. Er will doch nicht Angela abschleppen, oder?

„Ich wollte mich eigentlich mit Edward verziehen, aber ich kann dich nicht alleine hier lassen.“, flüstert sie mir leise ins Ohr. Mein Blick hat dabei die ganze Zeit auf Edward geruht, der eher an Angela vorbei schaut, als den Blick länger auf sie gerichtet zu lassen.

„Geht ruhig. Ich komm schon irgendwie nach Hause. Vielleicht kann ich ja…“, beginne ich, unterbreche mich aber auch sofort wieder.

„Bells.“, mahnt Angela mich auch sofort.

„Es ist wirklich in Ordnung.“, sage ich etwas zu laut und Emmett und Edward schauen mich sofort an. Bevor sie aber noch einen Kommentar abgeben, ziehe ich mein Handy aus meiner Tasche und tippe die Nummer des Taxiunternehmens ein.

„Ich fühle mich nicht wohl dabei, dich einfach…“, beginnt sie, aber ich unterbreche sie, indem ich den Finger hebe und das Handy ans Ohr halte.

„Was machst du?“, fragt Angela einfach weiter, während ich ein Taxi herbestelle.

„Ich rufe mir ein Taxi.“, sage ich gefühllos, denn ich kann gerade nicht daran denken, wie Edward und Angela in einem Bett landen. Ein Teil von mir, der erregt und aufgeladen ist, will sich mit Edward im gleichen Bett befinden, aber nicht meine beste Freundin.

„Jetzt fühle ich mich richtig schlecht. Eigentlich wollten wir doch jemanden für dich finden.“, sagt Angela dazwischen und ich schaue sie wutentbrannt an. Muss das jetzt sein?

„Ich habe sowieso keine Lust mehr, Ang. Es ist in Ordnung.“, wiederhole ich meine Worte einfach immer wieder. „Wir sehen uns dann vielleicht auf dem Campus mal wieder, Jungs.“

Damit winke ich ihnen zu und verschwinde, bevor Angela noch irgendwas sagen kann. Edward und Emmett schauen mir einfach nur misstrauisch hinterher. Es ist vielleicht nicht die beste Idee, im Dunkeln allein vor der Disko auf das Taxi zu warten, aber besser, als das fünfte Rad am Wagen zu spielen. Emmett scheint sich auch gut allein amüsieren zu können, aber so bin ich nicht. Ich bin mit gekommen, weil ich Ang einen gefallen tun wollte und da sie jetzt jemanden zum abschleppen gefunden hat, brauche ich nicht mehr hier zu bleiben. Als das Taxi vorfährt, steige ich ein und nenne dem Taxifahrer meine Adresse. Bei einem letzten Blick auf die Disko erhasche ich einen letzten Blick auf Edward und Angela, die gerade durch die Tür gekommen sind. Edward hat die Hand auf Angelas Rücken liegen, aber ihre Blicke suchen die Umgebung ab. Vermutlich versuchen sie mich zu finden. Als wir um die nächste Ecke biegen, lehne ich mich seufzend zurück und schließe die Augen. Ich versuche die Bilder zu verdrängen, aber sie werden mich wohl noch eine Weile verfolgen.

Am Montag danach…

Meine Eltern waren wenig davon begeistert, dass ich völlig übermüdet bei ihnen vor der Tür stand und selbst die Versicherung, dass ich eigentlich nichts getrunken habe, hat sie nicht wirklich davon überzeugen können. Auf die Frage, ob ich mich mit jemand vergnügt habe, habe ich nur frustriert den Kopf geschüttelt. Dann habe ich mir einfach meinen Sohn geschnappt, habe ihn angezogen und zusammen sind wir dann lecker Frühstücken gewesen.

Heute sieht die Welt schon wieder anders aus, sage ich mir immer wieder selber, als ich über den Campus zum Hörsaal laufe. Wieder habe ich zu viele Bücher bei mir, weil ich am Wochenende zu gar nichts kam und es jetzt im Laufe des Tages nachholen muss. Aber als ich dann an der Tür zum Hörsaal Edward entdecke bleibe ich erstarrt stehen. Kann er mich nicht endlich in Ruhe lassen. Ich weiß nicht, woher er meine Nummer hat, aber er hat das ganze Wochenende versucht mit mir zu reden, aber ich bin gar nicht mehr drangegangen. Wobei, bestimmt hat Angela ihm meine Nummer gegeben. Ich werde mal ein ernstes Wörtchen mit ihr reden müssen. Ich habe zudem gedacht, dass sie mit ihm in der Kiste gelandet ist, wieso sollte er sich dann auch für mich interessieren? Weil ich schlecht die Vorlesung verpassen kann, gehe ich nun gemächlicher weiter, sodass die Bücher mir nicht wieder aus der Hand fallen.

„Hallo Isa.“, sagt Edward mit vorsichtiger Stimme und lächelt mir ängstlich entgegen. Was denkt er denn, dass ich ihn verurteile, dass er sich meine Freundin geschnappt hat? Das er mich mehr interessiert, als ich mir eingestehen will?

„Was willst du hier? Hast du nicht irgendeine Vorlesung?“, frage ich ihn statt einer Antwort.

„Ich wollte mit dir reden. Nachdem du meine Anrufe ignoriert hast, musste ich dich einfach hier abfangen.“, sagt er ernst.

„Ich wüsste nicht, worüber wir reden müssten.“, sage ich gleichgültig und Edward zuckt zusammen.

„Ich habe nicht mit Angela geschlafen.“, sagt er geradeheraus und ich starre ihn fassungslos an.

„Das interessiert mich nicht. Ang kann machen, was sie will.“, gebe ich von mir, kaum das ich wieder einen Gedanken fassen konnte.

„Ich konnte es nicht, weil ich ständig an jemand anderes denken muss.“, gibt er unverblümt zu und da tut mir Angela richtig leid. Abgeblitzt zu werden, weil der Junge nur einen Kopf für eine andere hat.

„Danke, dass du mir das sagst, dann kann ich mich wenigstens richtig um Ang kümmern.“, sage ich, weil Ang nie mit der Wahrheit herausgerückt wäre und ich ihr auch nur bedingt hätte helfen können. Edward tritt nun von einem Fuß auf den anderen und scheint sich nicht wohl zu fühlen in seiner Haut.

„So meinte ich das nicht, Isa. Ich denke nur an dich. Seitdem wir uns vor gut zwei Monaten begegnet sind.“, gibt er zu und ich bin wirklich fassungslos. Was fällt ihm eigentlich ein? Macht sich an meine Freundin ran, wo er angeblich nur an mich denken kann? Wer soll ihm denn diesen Mist abkaufen? Ich ganz sicher nicht.

„Netter Versuch. Ich muss los.“, sage ich schnaubend, gehe an ihm vorbei, werde aber wieder aufgehalten.

„Ich weiß, das hört sich nicht schön für dich an. Ich wollte deine Freundin ausnutzen, um dich zu vergessen, aber kaum warst du mit dem Taxi verschwunden, konnte ich nicht weitermachen. Ich habe Angela nach Hause gebracht, mir deine Nummer geben lassen und habe mich dann verabschiedet. Du musst mir glauben, ich habe Angela nicht verletzt und sie ist auch nicht wutschnaubend verschwunden.“, versucht er verzweifelt mir zu erklären, aber ich löse meinen Arm aus seinem Griff und gehe in den Hörsaal. Ich setze mich in die Mitte, sodass mich keiner erreichen kann. Das glaubt er doch wohl selber nicht. Ich kann ihm das nicht glauben und will es auch gar nicht. Plötzlich lässt sich jemand neben mich nieder und als ich aufblicke, sitzt Edward neben mir. Er schaut mich mit seinen grünen Augen an, als würde er sich entschuldigen, aber er glaubt doch nicht allen ernstes, dass ich ihm seine Geschichte abkaufe. Plötzlich geht mein Handy los und deutet mir an, dass ich eine SMS bekommen habe. Ich ziehe es aus meiner Tasche. Die SMS ist von Angela. Weswegen ich sie auch sofort öffne.

Ich weiß, ich hätte dir sofort davon berichten sollen, aber zwischen Edward und mir ist nichts passiert. Er hat mir erzählt, dass ihr euch schon mal begegnet seid und du ihm seitdem nicht mehr aus dem Kopf gehst. Wenn du mich fragst, solltest du ihm eine kleine Chance geben. Vielleicht überrascht er dich beim zweiten Eindruck. Okay dritten Eindruck.

Da hat er sich mächtig Mühe gemacht, Angela auf seine Seite zu ziehen.

„Du bist also kein Macho und kein Schwein?“, frage ich ihn spitz.

„Nein… doch… aber ich habe meine Gründe.“, sagt er seufzend.

„Die du mir nicht verraten wirst.“, sage ich resignierend, lehne mich zurück und blicke stur nach vorne.

„Noch nicht.“, verrät er mir leise. „Aber ich möchte dich besser kennenlernen.“

„Nein. Ich kann das nicht. Ich kann keine einfache Bettgeschichte für jemand sein.“, sage ich ehrlich und grausam. So schätze ich ihn aber ein. Sobald er mich erstmal im Bett hatte, verliert sich sein Interesse und er ist schneller verschwunden, als ich überhaupt bis drei zählen kann.

„Ich möchte nicht, dass du überhaupt eine Bettgeschichte für mich wirst.“, sagt er ernst und da dreht er auch noch das Messer in meiner Brust um, das sich im Laufe der letzten Wochen in meine Brust gebohrt hat. Ich bin es noch nicht mal Wert, dass man mich ins Bett will. Deswegen war es damals auch so einfach für IHN, mich…

„Verschwinde.“, stoße ich hervor, bevor mich meine Gedanken zerfressen. Angela weiß nicht alles von mir. Sie weiß nicht, wer Levis Vater ist, geschweige denn, wie er entstanden ist. Das wird auch niemals jemand anderes, als meine Eltern herausfinden. Deswegen sind sie so gluckenhaft mir gegenüber. Aber sie sind auch hart, weil sie sich dafür die Schuld geben. Ich werde dieses Wissen mit ins Grab nehmen.

„Isa. Bitte. So meinte ich das nicht.“, sagt Edward noch verzweifelter und ich schüttele nur den Kopf. Ich kriege kein weiteres Wort mehr über meine Lippen.

Du bist es gar nicht Wert geliebt zu werden.

Ich verschließe die Augen vor der Welt, aber jetzt kommen auch noch die Bilder zu den Worten. Groß überragt er über mir, drückt mich auf die Matratze und hält meine Handgelenke mit einer Hand über meinem Kopf fest. Das schwarze Haar fällt auf mich drauf, verschluckt mich regelrecht, während seine Augen sich in meine Haut versenken. Ich fühle jeden Blick heiß auf meiner Haut und ich winde mich vor ihm, aber ich kann nicht entkommen.


„Isa?“, höre ich jemanden fragen und ich schrecke auf. Meine Atmung ist rasend und mein Herz klopft kräftig in meiner Brust. Ich drohe fast zu hyperventilieren, wenn ich nur wieder an IHN denken muss. Mein Blick huscht panisch zu Edward, der immer noch neben mir sitzt. Kann er nicht einfach verschwinden? Wieder schüttele ich nur den Kopf, wage es aber nicht, meine Augen zu schließen. Die Bilder haben keine Gewalt mehr über mich.

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