Donnerstag, 23. Juli 2015

„Es war vor knapp drei Jahren...“, beginne ich dann zu erzählen. (Isa) | Campus Liebe

Da bin ich wieder kurz präsent und stelle euch nun das vierte Kapitel von "Campus Liebe" vor!!


Abfuhr! Oder auch: Ich verliebe mich

Isas Sicht:

Plötzlich ist wieder alles anders. Levi ist wieder gesund, darf in den Kindergarten und ich kann endlich wieder in die Uni, aber seitdem habe ich Edward auch nicht wieder gesehen. Als wäre ich vom Erdboden verschluckt. Keine SMS und auch keinen Anruf. Kein Abendessen oder Frühstück. Ich bin am ersten Morgen sogar früher aufgestanden, um Brötchen aufzubacken. Aber Edward ist nicht aufgetaucht. Auch die nächsten Tage war seine Anwesenheit ein Traum. Selbst Levi hat mich schon gefragt, wo Edward denn bleibt. Levi mag Edward richtig gern und findet es schade, dass er nicht mehr vorbei kommt. Vielleicht habe ich mich auch viel zu sehr daran gewöhnt und habe Levi an zu vielem teilhaben lassen. Man lernt wohl nur aus Fehlern und das werde ich nicht so einfach durchgehen lassen. Ich muss an Levi denken und ich habe ihm gesagt, ich kann keine Bettgeschichte sein und genau das war ich wohl nur für ihn. Es schien die ganze Woche nicht so zu sein, als würde ich das für ihn sein, aber da er uns jetzt seit zwei Wochen ignoriert, muss ich doch stark davon ausgehen.

Ein warmer Tag, den ich direkt ausnutzen muss. Ich habe mich ein wenig früher von der Uni davongemacht und habe Levi abgeholt. Wir wollen in den Park mit Anschluss an einen kleinen See, wo man sogar schwimmen gehen kann. Levi tänzelt vor mir herum und freut sich anscheinend sehr, den Tag mit mir zu verbringen.

Nicht so weit weg laufen, Levi.“, rufe ich ihm hinterher, als er plötzlich los sprintet. Er scheint es aber gar nicht zu hören und stürmt immer weiter. Seufzend jogge ich ihm hinterher und halte ihn dabei im Blick. Zum Glück habe ich nicht allzu viel bei, sodass ich ihm leicht hinterher komme. Als er dann zu nah ans Wasser kommt, lasse ich meine Tasche fallen und sprinte ihm hinterher. Drei Meter vor dem Wasser, kriege ich ihn am Arm zu fassen. Ich schnaube vor Anstrengung und Levi schaut mich nur unschuldig an.

Du solltest nicht so weit weglaufen. Wasser ist gefährlich, Schatz.“, sage ich wütend, weil es mir nicht gefällt, dass er nicht auf mich hört und das hat er immer gemacht. Hat Edwards kurze Anwesenheit mehr angerichtet, als ich zuerst gedacht habe. Ich nehme Levis Hand in meine und ziehe ihn zurück zur Tasche, die ich habe fallen lassen. Der Tag scheint doch nicht so entspannt zu verlaufen, wie ich gehofft hatte. Kaum haben wir eine Stelle entdeckt, habe ich die Decke ausgebreitet und in dem Moment ist Levi wieder ausgebüxt. Ich habe ihn gerade noch einfangen können, bevor er den ersten Fuß ins Wasser setzen konnte. Damit musste ich ihm dann drohen, dass wir sofort nach Hause gehen, wenn er noch einmal wegrennt. Zurück zur Decke hatte ich dann zehn Minuten Ruhe, da er mit einem Schokoriegel beschäftigt war. Danach sind wir ins Wasser. Er mit Schwimmflügeln und Badehose und trotz Schwimmflügeln, ist er nur auf meinem Arm geblieben. Ich habe meinen alten Bikini herausgekramt und unter meiner Kleidung versteckt gehabt. Als wir das Wasser wieder verlassen haben, hatte Levi schon leicht bläuliche Lippen. Ich habe ihn in ein Handtuch gewickelt und neben mir auf die Decke gesetzt und während ich mich selber abgetrocknet habe, hat er sich von den Handtüchern befreit und ist wieder abgehauen. Diesmal aber in die andere Richtung. Wieder sprinte ich ihm hinterher, als er diesmal der Hauptstraße zu nahe kommt. Diesmal bin ich aber nicht rechtzeitig da, aber jemand anderes ist so frei und greift sich meinen Sohn. Als dieser sich erhebt erkenne ich darin Edward. Wut steigt in mir hoch. Er meldet sich die ganze Zeit nicht und dann taucht er genau da auf, wo ich einen Nachmittag mit meinem Sohn verbringen wollte.

Was machst du hier?“, frage ich ihn wütend.

Anscheinend deinen Sohn vor der Straße retten.“, sagt er gelassen und der gleichgültige Ton in seiner Stimme ist zurückgekehrt.

Ich habe sicherlich nicht nach deiner Hilfe gefragt.“, sage ich tonlos, weil der Stich in meinem Herz viel zu stark ist. Ich habe mich so in ihn getäuscht. Ich habe gehofft, dass er sich ändern könnte, aber ich sehe doch den Beweis, dass man sich nicht ändern kann. Er ist genauso, wie er sein will. Er will sich nicht verändern. „Levi, komm wir gehen nach Hause.“, sage ich nun zu meinem Sohn und greife nach seiner Hand. Edward lässt ihn sofort los und ich mache mich ohne ein weiteres Wort auf den Weg. Schnell habe ich meine Kleidung angezogen und auch Levi angekleidet und sind dann auf den Weg nach Hause, als wir erneut Edward über den Weg laufen. Ich will einfach an ihm vorbei gehen, aber er greift nach meiner Hand. Einen Moment bin ich nicht mehr im Park, sondern in meinem alten Kinderzimmer, wie sich Jakob über mich beugt und seine nassen Lippen auf meinen Hals drückt. Seine Hände haben mich am Oberarm gepackt gehalten, damit ich mich nicht wehren kann und ihm hat es sichtlich Spaß gemacht. Seine Errektion hat sich fest an meinen Bauch gedrückt, während er sich genüsslich an mir ausgetobt hat...

Lass mich los.“, sage ich gefährlich leise und kämpfe mich selbst aus der Erinnerung. Jegliches Gefühl verdränge ich aus meinen Gedanken und Edward löst sich sofort von mir und hebt die Arme entschuldigend nach oben.

Ich wollte nur mit dir reden.“, sagt er im beruhigenden Ton, aber die herablassende Art kann er eindeutig nicht wirklich zur Seite legen.

Du hast dich nicht gemeldet, also weiß ich doch schon alles, was ich wissen muss.“, sage ich tonlos und will mich nun an ihm vorbeischieben, aber Edward macht einen Schritt zur Seite, sodass ich stehen bleiben muss, außer ich will gegen ihn stoßen.

Isa. Ich möchte dir das alles erklären.“

Es gibt nichts zu erklären. Lass mich durch.“

Endlich tritt er zur Seite, aber sein Blick sagt etwas anderes aus. Er möchte wirklich mit mir reden, aber ich bin viel zu wütend, als das ich klar denken könnte.

Bitte, Isa. Ich habe mich in dich verliebt.“, ruft er mir leise hinterher, als ich schon an ihm vorbei bin. Levi trottet mir einfach an der Hand hinterher. Als ich die Worte höre, bleibe ich stehen. Bin aber nicht bereit, mich umzudrehen.

Edwards Sicht:

Bitte, Isa. Ich habe mich in dich verliebt.“, sind meine Worte an sie, als sie schon an mir vorbei und damit aus meinem Leben verschwindet. Als genau das mir klar geworden ist, musste ich ihr einfach sagen, warum ich die letzten zwei Wochen nicht vorbei gekommen bin. Es war nicht wirklich fair und auch nicht richtig, aber ich konnte nicht zu ihr hin und so tun, als wäre alles in Ordnung. Ich hätte ihr aber wenigstens eine SMS schreiben können, aber das habe ich nicht gemacht. Ich habe das aufkeimende Vertrauen zerstört und ihre Reaktion ist vollkommen verständlich. Sie muss an ihren Sohn denken und ihm habe ich auch wehgetan, weil er mich gemocht hat. Kleinkinder sind aber nicht so nachtragend, was ich sofort an Levis Gesicht gemerkt hatte. Aber das ist nicht von Bedeutung, wenn Isa so wütend auf mich ist.

Sie bleibt erstarrt stehen, aber sie dreht sich nicht um. Ich bleibe so stehen, weil ich die Anspannung in ihrem Körper nicht sehen will. Ich kann es nicht ertragen, wie sehr ich sie verletzt habe. Ich weiß nicht, ob die Worte überhaupt Gehör bei ihr finden, aber ich hoffe es wirklich.

Es tut mir leid.“, flüstert sie und geht den Weg einfach weiter. Jetzt muss ich mich doch umdrehen und ihr hinterherschauen.

Mir tut es leid.“, sage ich noch, aber ich bin mir sicher, dass sie es nicht gehört hat. Es ist die reine Wahrheit. Ich habe mich in sie verliebt, ob ich es möchte oder nicht. Als ich Levi abgefangen habe, war ich mir nicht sicher, wie ich damit umgehen soll. Aber ihre Wut zu sehen und später auch die Panik, hat mir den Rest gegeben. Ich werde um sie kämpfen und ich werde mich verändern. Sie hat mich schon jetzt verändert und das ist unwiderruflich. Ich kann nicht mehr zu dem zurückkehren, was ich vor Isabella war. Ich habe noch nicht mal mehr den Drang, mich wie ein Macho zu verhalten. Aber so habe ich mich gerade verhalten und das tut so weh, dass ich für Isas Schmerz verantwortlich bin. Zwei Wochen sind eine lange Zeit und man kann sich viel einreden, wenn man viel Zeit hat.

Ich gebe ihr einen Tag, damit sie die Worte verarbeiten kann, dann werde ich vor ihrer Haustür stehen. Vielleicht zum Frühstück am Morgen. Ich kann nicht aufgeben, wo ich jetzt weiß, was ich will. Ich will sie. Ich will sie und ihren Sohn. Ich wusste gar nicht, dass ich mir eine Familie wünsche. Meine eigene Familie. Natürlich hätte ich lieber mein eigenes Kind um mich herum, aber Isa gibt es nun mal nur mit Levi und Levi ist ein gutes Kind. Ich mag ihn und sie verlangt nicht von einem, dass man den Vater ersetzt. Ein guter Freund reicht ihr doch, aber man muss ihren Sohn akzeptieren. Dazu gehört aber auch, dass man sie einfach nicht mehr beachtet.

Am nächsten Morgen...

Ich stehe mit Brötchen vor ihrer Tür und klingele einmal, dann noch einmal, aber sie reagiert einfach nicht. Ich habe die Schritte zur Tür kommen gehört, also weiß sie, dass ich es bin. Trotzdem hat sie einfach nicht geöffnet. Es tut mir so weh, dass ich alles zerstört haben soll, aber verstehen kann ich sie auch. Ich bin es wohl selbst schuld. Aber das bedeutet nicht, dass ich so schnell aufgebe. Ich warte vor ihrer Tür, bis sie herauskommt und sie ignoriert mich einfach. Levi schaut mich lächelnd an. Er versteht das ganze nicht, folgt aber Isa die Treppe nach unten.

Es tut mir leid.“, sage ich im Flur, es erreicht Isa aber nicht mehr. Ich werde nicht so leicht aufgeben, aber ich kann nicht sagen, dass es einfach wird. Aber vielleicht ist es deswegen auch so viel Wert. Ignoranz ist auch ein Gefühl, also fühlt sie irgendetwas für mich. Wenn auch momentan nichts gutes, aber sie fühlt was. Das muss ich ausnutzen. Nur wie kriege ich sie dazu, dass sie mir zuhört. Vielleicht kann mir Angela auch helfen. Aber erst versuche ich es nochmal die nächsten Tage.

Bellas Sicht:

Seit dem ersten Mal, dass Edward vor meiner Tür aufgetaucht ist, kommt er immer wieder vorbei. Ich weiß nicht, ob ich etwas mit seinen Worten anfangen kann. Ob ich etwas mit ihnen anfangen will.

Mein Handy piept und das stört mich. Levi sitzt in der Badewanne und planscht freudig auf, während ich nachher das ganze Badezimmer putzen darf. Es piept noch einmal und da muss ich dann doch die Stirn runzeln. Eine SMS zu bekommen ist normal, zwei kurz hintereinander eigentlich unmöglich. Mit einer Hand halte ich Levi am Arm fest und mit der anderen greife ich nach dem Handy auf der Waschmaschine.

Die erste ist von Edward, also ignoriere ich sie und wende mich der zweiten zu. Sie ist von Angela.

Süße. Möchtest du ihm nicht mal eine Chance geben?

Woher weiß sie denn davon. Ich habe ihr nur gesagt, dass ich mit Edward keinen Kontakt mehr haben möchte. Aber nicht, dass er noch immer vesucht mit mir in Kontakt zu treten. Also bin ich doch gezwungen, Edwards SMS zu lesen. Also öffne ich seine auch noch.

Bitte, lass uns reden. Ich möchte dir wenigstens erklären, warum ich mich nicht gemeldet habe. Ich warte auf dich an dem Ort, wo wir uns zum ersten Mal über den Weg gelaufen sind.

Ich will da nicht hingehen. Ich kann und werde dem Befehl nicht nachgeben. Das kann ich einfach nicht. Einmal komme ich hier nicht weg, immerhin hab ich Levi, den ich nicht einfach allein lassen kann und um die Uhrzeit kann ich ihn sicherlich nicht mehr durch die Gegend tragen. Er wird gleich Essen und dann schlafen. So einfach ist das und dann werde ich mich mit einem gutem Buch auf die Couch setzen und lesen. Das habe ich viel zu viel vernachlässigt in den letzten Wochen. Bevor ich aber weiter Ausreden finden kann, kommt eine weitere SMS an, die ich ohne nachzudenken öffne.

Isabella. Du wirst dich mit ihm treffen. Ich bin schon auf dem Weg zu dir.

Angela. Warum sollte ich denn dahin gehen? Sollte ich mir die nächste Abfuhr abholen oder soll ich ihm nochmal ins Gesicht sagen, dass ich mich auf keinen unzuverlässigen Mann einlassen kann? Wie oft muss ich das denn noch sagen, bis er es verstanden hat. Ich habe ein Kind, was ich nicht vernachlässigen darf. Da Angela trotzdem gleich vor der Tür stehen wird, werde ich Levi wohl oder übel aus der Badewanne verfrachten und das findet er gar nicht so toll. Das Baden selber liebt er, weswegen er gar nicht mehr herauskommen will. Aber jeder muss irgendwann mal wieder aus dem Wasser kommen und so auch Levi. Trotzdem schreit er wie am Spieß und hört auch nicht auf, als Angela vor der Tür steht. Sie aber lächelt nur darüber hinweg, umarmt mich stilsicher und Levi ist zwischen uns geklemmt. Dann geht sie einfach an mir vorbei ins Schlafzimmer und sucht anscheinend nach irgendetwas. Als ich ihr folge, hat sie sich im Kleiderschrank vergraben.

Was machst du da bitte schön? Ich werde nicht dahin gehen.“, frage ich sie ruhig.

Du brauchst etwas zum...“, beginnt sie, kommt dann aus dem Schrank und schaut mich entsetzt an. „Er macht sich solch eine Mühe und du willst ihm noch nicht mal zuhören? Nein, Fräulein. So kommst du mir nicht davon. Ich werde dir jetzt etwas zum Anziehen raussuchen, du wirst dich anziehen und dann sperre ich dich aus deiner eigenen Wohnung aus, damit dir nichts anderes übrig bleibt, als dahin zu gehen. Sonst kommst du nämlich nicht mehr hier herein.“, erklärt sie einfach weiter, während sie den Kopf wieder in den Schrank steckt.

Warum lässt mir keiner meine eigene Entscheidung? Immer wird sie mir weggenommen. Eine einzige Entscheidung habe ich getroffen, seit ich denken kann und deswegen ist das Verhältnis zu meinen Eltern nicht mehr wirklich das Beste. Was hätte ich denn anders machen sollen? Ich hätte doch niemals mein Kind abtreiben können, auch wenn er nicht geplant und gewollt war. Auch wenn er nicht auf normaler Weise gezeugt wurde...

Hier.“, sagt Angela wieder und hält mir eine Jeans und ein Top hin. Für das Wetter draußen genau das Richtige. Seufzend nehme ich es entgegen, während Angela meinen Sohn übernimmt. Zumindest hat er aufgehört zu schreien. „Dann machen wir dir jetzt etwas zu Essen und danach geht es ins Bett.“, lächelt sie meinen Sohn an und verschwindet, sodass ich mich fertig machen kann.

Halbe Stunde später...

Warum mache ich das hier eigentlich? Ich sollte jetzt zuhause mein Buch lesen und nicht in der Kälte draußen stehen und auf den Sandmann warten. Okay, ich bin ein wenig hysterisch und geladen, weil es bessere Orte gibt, als der Campus, wo ich um diese Uhrzeit sein möchte. Hatte er nicht geschrieben, dass er auf mich warten würde? Das sieht ja wohl nicht danach aus, als hätte er wirklich auf mich gewartet. Wo ist er denn dann abgeblieben? Dann kann ich wohl wieder nach Hause gehen, Angela in den Hintern treten und den Abend besser ausklingen lassen.

Es tut mir leid. Es tut mir so leid.“, höre ich plötzlich sprechen, aber es hört sich zu künstlich an. Ich drehe mich im Kreis, kann aber immer noch niemanden erkennen.

Ich mache Fehler, denn ich bin ein Mann, der Fehler macht. Ein Mann, auf dem herumgetrampelt wurde und dessen Herz zu Eis gefroren ist.“, höre ich weiter sagen und die Stimme hört sich so verletzlich an. Ich weiß, dass nur Edward diese Worte gesprochen haben kann.

Ich bin ein Mann, der eine Wand vor seinem Inneren aufgebaut hat, damit er sich nie mehr mit der Liebe auseinandersetzen muss.“, bricht es aus der Stimme hervor. Mir laufen die Tränen über die Wangen, obwohl es gar nichts mit mir zutun hat.

Dann traf ich ein Mädchen, was so ganz anders war, als mit denen ich mich vorher abgegeben habe. Sie war schüchtern, zurückhaltend und wirkte so verletzlich.“, sagt die Stimme nun mit einem Lächeln.

Sie war wunderschön und sie hatte jemanden besseren verdient als mich. Ich habe es wirklich versucht. Ich habe versucht, sie nicht auf dem Campus zu suchen, was auch recht gut klappte. Ich habe sie fast vergessen, bis auf ihr Bild in meinem Kopf.“, wird sehnsuchtsvoll gesagt.

Partys sind schon was feines. Das Bild konfrontierte mich wieder und mir wurde endlich klar, was ich so tief vergraben habe. Ich wollte geliebt werden. Ich wollte wirklich und aufrichtig geliebt werden. Aber nicht nur von irgendeinem, sondern von diesem Mädchen. Von dem Mädchen, was mein Denken von Grund auf verändert hat.“, sagt Edwards Stimme weiter.

Dann aber lernte ich das wahre Mädchen kennen. Sie ist gar nicht so schwach, sondern unglaublich stark. In so jungen Jahren muss sie mit der Härte des Lebens zurechtkommen und sie meistert es leicht. Ich habe sie beobachtet. Sie ist so viel stärker als ich. Ich habe aufgebeben. Ich habe mir nicht eingestehen wollen, dass Liebe auch in meiner Welt existieren kann. Jetzt weiß ich, was ich empfinde, was mich so gefesselt hat. Ihre Schönheit hat mich nur geblendet. Unschuld und Unbeholfenheit haben ihren ersten Eindruck geblendet. Ihre Willenskraft, ihr unglaublich starker Glauben an das Richtige auf dieser Welt. Ihre unglaublich kräftige Liebe zu ihrem Sohn. Das zieht mich an und ich weiß nicht, warum ich es ein zweites Mal aufgeben wollte. Es gibt keine Entschuldigung dafür, dass ich ein Feigling bin.“, sagt die Stimme wieder. Plötzlich erhellt sich irgendwo in der Ferne ein Licht, dann noch eins, als wäre eine Lichterkette angemacht worden. Dann plötzlich wird mir klar, dass es eine Lichterkette ist, die an den Bäumen in der Nähe befestigt worden sind.

Ich habe ihr Vertrauen verletzt und damit die Chance, sie und ihren Sohn besser kennzulernen. Es tut mir leid, Isabella. Ich kann mich nur immer wieder entschuldigen, aber ich bin ein verliebter Mann, der vor seinen Gefühlen lieber wegrennen wollte, als sich ihnen zu stellen.“, sagt die Stimme zum Schluss und dann verstummt die Welt um mich herum. Ich weiß nicht, wie lange ich noch hier stehe, bis sich plötzlich eine Gestalt vor mir aufbaut und auf mich zu kommt. Irgendwann erkenne ich Edward in den Konturen und mir laufen die Tränen nur so über die Wange. Als er vor mich tritt, kann ich nicht mal mehr atmen und ich muss mich wirklich zusammenreißen.

Ich lüge dich nicht an, wenn ich sage: Ich habe mich in dich verliebt. Ich möchte an deinem Leben teilhaben.“, sagt Edward nun direkt zu mir und ich muss einen Schritt zurück machen. Das geht mir viel zu schnell. Ein Teil von mir findet das unglaublich süß und will ihn sofort in den Arm nehmen, aber der andere Teil schreit mich an. Es will, dass ich das Weite suche. Das hier ist zu viel. Wir kennen uns doch kaum. Wir haben ein paar Abende zusammen verbracht. Mehr nicht. Edward hält mir die Rosen aus seiner Hand entgegen und ich kann nur darauf starren. Es ist zu schnell, schießt mir wieder mal durch den Kopf.

Das... das ist zu viel.“, stoße ich hervor und mache noch einen Schritt zurück. Panik nimmt Besitz von mir.

Isa.“, flüstert Edward leise.

Es geht mir viel zu schnell.“, höre ich mich selber sagen.

Ich erwarte nichts von dir. Ich möchte nur wieder mit dir reden dürfen.“, sagt Edward und merkt langsam selbst, dass es hier zu viel ist.

Ich weiß nicht, was ich denken soll...“, gebe ich zu und gebe mich beinahe dem Wunsch hin zu flüchten. Ich möchte hier nur noch weg.

Isa, bitte.“, sagt Edward noch, aber ich reagiere nur noch. Erst als ich mich abgewendet habe, wird mir bewusst, was seine Worte bedeuten. Ich flüchte vor ihm und seiner Liebeserklärung. Dabei habe ich mich ebenfalls Hals über Kopf in ihn verliebt. Dieser Gedanke veranlasst mich dazu, ein paar Meter später stehen zu bleiben. Er spricht davon, dass er vor seinen Gefühlen davon gelaufen ist und ich mache gerade nichts anderes. Ich bin nicht besser. Dann finde ich mich auf den Knien wieder. Ich schlage mir die Hände vors Gesicht und schluchze einfach herzzerreißend.

Ich spüre Edward Anwesenheit und dann auch seine Hände auf meiner Schulter.

Ich renne nicht weg.“, flüstere ich eher zu mir selbst, als zu ihm.

Nein, weil du viel stärker als ich bist.“, stimmt Edward mir zu.

Ich renne nicht weg, weil ich es nicht schaffe, dir so wehzutun, wie du mir wehgetan hast.“, sage ich leise.

Das habe ich alles verdient.“, erwidert er nur und ich höre den Schmerz in seiner Stimme. Langsam beruhigt sich meine Atmung und ich stehe wieder auf. Ich drehe mich herum und schaue zum ersten Mal wieder in seine Augen. Schmerz und Leid spiegeln sich darin wieder und einzelne Tränen glänzen auf seinen Wangen.

Nein, dass hast du nicht. Du hast etwas besseres verdient.“, widerspreche ich ihm.

Verdreh bloß nicht die Rollen.“, warnt er mich.

Mache ich nicht. Du weißt nicht so viel über mich, wie du vielleicht glaubst. Wenn du die ganze schreckliche Wahrheit kennen würdest, würdest du sicherlich nicht hier stehen.“, presse ich hervor.

Dann erzähl es mir.“, fordert er mich auf.


Es war vor knapp drei Jahren...“, beginne ich dann zu erzählen.

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